(...)
»Sehen Sie, ich bin viel länger hiergeblieben als ich ursprünglich
vorhatte. Und ganz bestimmt nicht, weil ich vom mitteleuropäischen
Schmuddelwetter nicht genug bekommen kann. Ich habe alte Freunde
getroffen, ältere und jüngere, Männer und Frauen. Je mehr ich
zu hören bekam, desto bestürzter wurde ich und desto neugieriger.
Meine Recherchen zogen mich immer weiter hinein in einen Wirbel
von Absurditäten, Geschmacklosigkeiten und Aggressivität. Glauben
Sie mir, unter der glatten Oberfläche mit all ihren Verlockungen,
denen auch Sie sich nicht entziehen konnten, brodelt es. Hinter
der Fassade der schönen, heilen Frauenwelt braut sich ein fürchterliches
Unwetter zusammen.«
Die Worte des Professors hatten Maria nachdenklich gestimmt. So
richtig war ihr aber immer noch nicht klar, was er meinte.
(...)
»Der selbsternannte Frauenkanzler hatte den Frauen mit seinem
irrsinnigen Geniestreich die einmalige Chance eröffnet, eine wahrhaft
demokratische und gleichberechtigte Gesellschaftsordnung zu schaffen.
Sie haben diese Chance vertan. Sie wollten männlicher sein als
die Männer je waren. Sie erhielten die Macht, doch anstatt sie
weise zu nutzen für ein besseres Leben, mißbrauchten sie sie für
einen perfiden Rachefeldzug. Aber Rache macht blind. Und während
die Damen in den oberen Etagen noch genüßlich den Nektar der Macht
schlürfen und sich in selbstgefälliger Sicherheit wiegen, tickt
im Keller bereits eine gefährliche Zeitbombe.«
(...)